Un día descubrió los terribles secretos que escondían sus dioses... y así fue como empezó la revolución.



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Kapitel 1

Was Jeder Numerius wissen sollte
(Übersetzung von Monika Driller)

Seine Exzellenz Meister Isósceles Triangulus von Milet, ein betagtes, ernstes Dreieck der alten Schule, sitzt in seinem Büro und grübelt. Gleich wird der Meister an einer geheimen Versammlung teilnehmen, um ein Problem zu erörtern, das sich am Himmel seiner Welt Numeria zusammenbraut: Aus der Ferne schiebt sich eine dunkle Wolke heran, die im Vorbeiziehen die Cumulæ Novæ verschlingt. Wie es scheint ist diese Wolke durch nichts und niemanden aufzuhalten und keiner in Numeria weiß, woher sie kommt.


Schwarze Wolken, Cumulæ Novæ oder Erschaffer, die hoch oben, an einem seltsamen und mathematischen Himmel leuchten, mögen für jemanden, der nicht in dieser Welt zu Hause ist, äußerst merkwürdig anmutende Phänomene sein. Nicht so für den alten Isósceles Triangulus, der – ebenso wie unzählige seiner Landesgenossen aus Numeria – die Allwissenden Erschaffer der Mathematik als die höchsten aller Gottheiten verehrt.

So ist es in Numeria immer gewesen: eines schönen Tages tauchen die funkelnden Götter am Himmel auf, sprühen über vor Weisheit, erschaffen Numeri, lassen sie für sich arbeiten und sobald die göttlichen Aufgaben erfüllt sind, scheinen sie wie in Luft aufgelöst. Das ist nichts Neues. Aber dass viele junge Götter spurlos verschwinden bevor sie eine gewisse Reife und Weisheit erlangt haben, das gibt Anlass zur Besorgnis. Der alte Triangulus hegt schon Befürchtungen, dass auch seine Welt von der schwarzen Wolke verschlungen wird, wenn es nicht gelingt, sie zu stoppen. Numeria kann ohne seine Götter nicht existieren und diese Angst einflößende Wolke hält einige Mitglieder des Großen Rats der Numeri, dem auch Isósceles Triangulus seit Jahrhunderten angehört, in Atem.

Allerdings gehen kurioserweise alle Aktivitäten in Numeria haargenau so vonstatten wie immer. Über Nacht sind neue Numeri aufgetaucht, die Operationen bearbeiten, von denen kaum jemand schon einmal etwas gehört hat, und die sie geheimniskrämerisch hinter dem Rücken der gewöhnlichen Arbeiter ausführen. Beschwerden darüber würden im Nichts verebben, denn obgleich die Numeri ihre Götter oben am Himmel sehen können, sind die göttlichen Ohren taub für alle Belange aus Numeria. Die Numeri sind einzig und allein dazu bestimmt, die Befehle ihrer Götter zu empfangen und die geforderten Arbeiten umgehend zu erledigen. Es ist unerlässlich, dass Numeria so präzise wie ein Schweizer Uhrwerk funktioniert und alle, auch der Rat, unterliegen dem eisernen Gesetz der absoluten Diskretion.

Unzählige Versammlungen wurden hinter verschlossener Türe abgehalten, um herauszufinden, was dort oben in den göttlichen Gefilden geschieht. Wenn die Erschaffer tatsächlich so mächtig und weise sind, warum unternehmen sie dann nichts, um die unheilvolle Wolke aufzuhalten? Ist das ein neuer göttlicher Plan? Und warum gibt es plötzlich Numeri, die ihre Arbeit vor den anderen geheim halten? Wenn Numeria die Krönung des Göttlichen Wissens ist, warum wurden die Numeri nicht in die Geschehnisse dort oben eingeweiht oder zumindest davor gewarnt? All diese Fragen stellt sich der Meister Isósceles Triangulus immer und immer wieder. Er ist von einem unerbittlichen, glühenden und inbrünstigen Glauben an die göttliche Weisheit besessen und diese Ungereimtheiten behagen ihm gar nicht. Der Erschaffer des hoch geschätzten Isósceles Triangulus war Thales von Milet. Er stellte den Satz auf, der die Geburtsstunde von Isósceles Triangulus sein sollte: Die beiden Winkel an der Grundseite eines gleichschenkligen Dreiecks sind gleich groß. Er lebte noch nicht lange in Numeria, als er erstmalig den Vorschlag machte, zur Beschleunigung der Arbeiten in großem Stil Berechnungswerkstädte zu bauen, so wie zum Beispiel die Stadt der Elementaren Geometrie, die vor nunmehr über zweitausend Jahren mit glamourösen Feierlichkeiten eröffnet wurde. Er, der es seit Jahrhunderten gewohnt ist, im Namen der Allmächtigen Befehle zu erteilen, die den reibungslosen Ablauf der Operationen in Numeria sicherstellen, tut nun nichts anderes mehr, als durch das große Fenster seines Büros schweigend die düstere und riesige Brechnungswerkstadt mit dem hochtrabenden Namen Große Wissenschaft zu beobachten, in die vor einigen Jahrzehnten diskrete Arbeiter Einzug erhalten haben, nämlich die, die nicht ein Sterbenswort über ihre Aufgaben preisgeben. Sie waren von Anfang an darüber im Bilde, was sie zu tun hatten und mussten deshalb weder eingearbeitet werden noch an den Operationalen Vorbereitungskursen teilnehmen, die für gewöhnliche Arbeiter vorgeschrieben sind. Sie sind genau so wie die anderen Numeri: sie sind nicht ungehorsam, sie sind effizient und erwecken immer den Anschein, als gäbe es für sie nichts Wichtigeres, als die ihnen gestellten Aufgaben zu erfüllen. Mit anderen Worten, sie verhalten sich nicht anders als jeder normale Numerius. Aber im Gegensatz zu ihren normalen Kollegen befolgen sie die Anweisungen der Höchsten Erschaffer (Götter, die in der wichtigsten Region des Himmels existieren, die heller leuchten als andere Götter und die außerordentlich mächtig sind) und geben niemals preis, woran sie arbeiten. Wenn jemand ihnen ausnahmsweise einmal über den Weg läuft und sie fragt, welcher Aufgabe sie sich gerade widmen, nicken sie nur freundlich und weichen dem neugierigen Frager aus, indem sie über eine simple Standardoperation sprechen. Ob sie etwas mit dieser unergründlichen schwarzen Wolke zu tun haben, die über den Himmel zieht und zukünftige Erschaffer für immer auslöscht? Isósceles Triangulus weiß sehr wohl, dass es unzählige Geheimnisse gibt, die die Götter nicht offenbaren, aber diese unverschämte Frage kreist in seinem spitzen Kopf herum, denn das gleichzeitige Auftreten der dunklen Wolke und dieser merkwürdigen Numeri alarmiert ihn. Das kann doch kein Zufall sein!

Das Schlimmste an der ganzen Situation ist vielleicht, dass die Arbeit der Numeri in der Berechnungswerkstadt Große Wissenschaft so wichtig und geheimnisvoll ist, dass nicht einmal sie selbst wissen, worum es sich tatsächlich handelt, denn auch wenn alle in Numeria wissen, für wen sie arbeiten, hat niemand auch nur die leiseste Ahnung, wozu ihre Arbeit dient.

Nervös ordnet das alte Dreieck seine Unterlagen. Ein weiteres Problem, von dem Isósceles Triangulus vermutet, dass es noch dringlicher sein könnte, zeichnet tiefe Sorgenfalten in sein Gesicht. Gerade hat er erfahren, dass Pythagoras IV, ein angesehener und altehrwürdiger Arbeiter, alle in Numeria herrschenden Regeln des Anstands und Gehorsams gebrochen hat und nach einem verbotenen Experiment vollständig deformiert wurde. Im Anschluss an die Versammlung wird der Aufständische vor Gericht gestellt. Es ist merkwürdig… es war ausgerechnet Pythagoras IV, der vor Jahrhunderten erreicht hatte, dass Kollegen unterschiedlicher Disziplinen mit dem Einverständnis ihrer Erschaffer gemeinsam an der Lösung ihrer Aufgaben arbeiteten. Und jetzt fällt ihm auch wieder ein, dass er gehört hat, Pythagoras IV sei der einzige gewesen, dem es gelungen ist, heimlich in die stumme Berechnungswerkstadt einzudringen, um die Geheimnisse der Großen Wissenschaft zu studieren. Wird etwas Schreckliches passieren? Werden alle in Numeri für das Ungehorsam des unverantwortlichen Pythagoras IV bestraft werden? Es wäre fast ein Wunder, wenn sie ungeahndet davonkämen. Und zu allem Übel ist es nun Octógonus, einem unheilvollen und intriganten Polygon mit immer wechselnden Formen gelungen, eine wichtige Position innerhalb des Rats zu besetzen. Man weiß nicht so genau, mit welchem Ziel Octógonus nach Numeria gekommen ist, seine Beweggründe würde Isósceles Triangulus gerne selbst untersuchen. Der stets unverbindliche, intrigante, neidische und ehrgeizige Octógonus scheint Dinge zu wissen, die die Numeri nicht verstehen… Isósceles könnte fast schwören, dass dieser unheilvolle Anführer gar kein Numerius ist. Aber was im heiligen Namen des großen Erschaffers von Milet ist er dann?

Meister Isósceles durchfährt eine Schauer. Das sind einfach zu viele Komplikationen. Er hasst es, zu spekulieren und deshalb braucht er konkrete Fakten, die ihm helfen, diese ganze Verwirrung aufzuklären. Und zu seinem großen Entsetzen sagt etwas in ihm, dass zum Schluss nichts mehr so sein wird wie vorher, seine vormals geregelte Welt der Ordnung und Weisheit wird vollkommen auf den Kopf gestellt. Kurz bevor er das Büro verlässt, wird er in seinen Gedanken vom Summen des Interkommunikators unterbrochen und eilig nimmt er ab. Durch ein lautes Surren in der Leitung hört er eine Stimme, die von weither zu kommen scheint:

"Meister Isósceles von Milet?"

"Am Apparat. Ich bin unterwegs. Ist etwas passiert?"

"Ob etwas passiert ist? Es wäre besser, wenn Sie zuhören, denn wir haben nicht viel Zeit."

"Wer spricht da? Was wollen Sie?"

"Wir wollen wissen, ob Sie bereit sind, die Augen zu öffnen und die Wahrheit zu erkennen."

"Es gibt keine andere Wahrheit als die Mathematische Wahrheit, also hören Sie auf mit dem Unsinn. Auf meinem Display kann ich Ihre ID nicht sehen."

"Wir sind nicht hier."

"Wo hier?"

"In Numeria."

"Und wie...?"

"Stellen Sie keine Fragen, hören Sie nur zu: Die Zukunft Numerias und seiner Erschaffer liegt auch in Ihren Händen".

"Jetzt hören Sie doch auf mit...! Das ist doch eine Falle. Octógonus… ja, Octógonus hat Sie beauftragt mich anzurufen! Immer versucht er, uns alle in seine Geschichten hineinzuziehen!", erwidert Isósceles wütend.

"Nein, dieser Dummkopf denkt nur an sich selbst und hat mit diesem Anruf nichts zu tun. Und Sie, die Mitglieder des Rats, waren dumm genug, ihn zum Mitglied zu machen. Aber deswegen rufe ich nicht an, Meister. Nehmen Sie mein Angebot an, und ich werde Ihnen das Dokument schicken."

"Was für eine Unverschämtheit… Welches Dokument? Was meinen Sie mit Angebot?"

"Göttliche Macht in all ihrem Glanz. Wolle Sie es sehen? Sie müssen nur das Angebot annehmen und wir schicken es Ihnen."

"Wovon sprechen Sie?"

"Es ist an der Zeit, dass alle erfahren, was eigentlich das Ziel ihrer Arbeit ist und was die Erschaffer mit all den Berechnungen anstellen, die aus Numeria kommen. Es gibt unglaubliche Dinge und manche sind sogar schier unvorstellbar. Grauenhaft. Sie müssen das alles mit eigenen Augen sehen, dürfen anschließend aber keine Silbe darüber verlieren. Sobald Sie etwas preisgeben, scheitert der gesamte Plan. Nehmen Sie das Angebot an?"

"Verflixt und zugenäht, was...? Wer sind Sie? Wie können Sie wissen, was die Erschff…?"

(ssssss… Klick)

"Hallo, hallo? Jetzt antworten Sie doch, Sie Idiot! Natürlich nehme ich das Angebot an!"

Die Anzeige im Display des Interkommunikators von Isósceles erlischt. Es ist, als ob das Gespräch nie stattgefunden hätte. Als einziger Hinweis darauf bleibt ein kleiner, vollkommen unmathematischer Kreis auf dem Display zu sehen, in dem sich zwei kleine Punkten und eine feine gebogene Linie darunter befinden. Isósceles schüttelt seinen Interkommunikator, damit dieses Gesicht, das ihn unsagbar dämlich angrinst, erlischt. Aber vergeblich. Ärgerlich steckt er den Interkommunikator weg und verlässt mit vor Anspannung schief verzerrten Ecken sein Büro. Indiskrete Anrufe, von Tag zu Tag gibt es mehr Probleme… Und zu allem Überfluss wird er bei der Versammlung auf Octógonus treffen. Dieser Fiesling… zugegeben, mit dieser Meinung steht er bei Weitem nicht alleine da. Für viele Numerius ist Octógonus ein äußerst unangenehmer Zeitgenosse. Obwohl alle ihn aus irgendeinem Grund zu ertragen scheinen und ihren Missmut einträchtig hinunterschlucken.

Isósceles tritt aus seinem Büro. Seine alten Ecken sind vor Sorge schief verzogen. Er ist schon alt, aber er weiß, dass er noch Tausende von Jahren zu leben hat. Wer weiß, wie lange noch, denkt er resigniert. Draußen steht sein Flugmobil an der unbeleuchteten Plattform dort, wo er es immer parkt. Als er davorsteht, trommelt er mit einem seiner winzigen verrunzelten Finger ein geheimes Klopfzeichen auf die Außenseite und die Kabinentüre des Flugmobils schiebt sich mit einem leisen Surren auf. Bevor Isósceles einsteigt, schaut er sich um. Außer einem weiteren Flugmobil, das genauso aussieht wie seines und etwas weiter weg geparkt wurde, ist die dunkle Plattform leer. Dieses Flugmobil gehört einem weiteren Mitglied des Rates, Piométrico Escalénux, ein anderer Dreieck-Veteran, ein Ratskollege, der so verschwiegen und loyal wie kaum ein anderer ist. Als Isósceles im Begriff ist, in sein Mobil zu steigen, öffnet sich die Türe des Gebäudes und Escalénux kommt mit seinen typischen kleinen Schrittchen eilig herausgetrippelt. Er grüßt Isósceles mit einer hastigen Geste des kleinsten seiner drei Winkel, springt in sein Flugmobil und hebt eine Sekunde später schon ab. Die Versammlung des Rats beginnt gleich, da bleibt keine Zeit für eine Unterhaltung. Die bleibt in Numeria fast nie.

Sobald Isósceles in sein Flugmobil gestiegen ist, drückt er einen Knopf. Das Mobil startet lautlos und ist sofort abflugbereit. Das merkwürdige Telefonat hat Beunruhigung in ihm ausgelöst. Als er gerade dabei ist abzuheben, schaut er in den Rückspiegel, aber nicht, um sich zu vergewissern, dass er mit niemandem zusammenstößt, sondern aus einem unerklärlichen und lästigen Zwang heraus, der ihn beherrscht, seitdem Octógonus an die Macht gekommen ist. Die Plattform ist leer. Es ist alles in Ordnung… Plötzlich nimmt er aus dem Augenwinkel wahr, dass etwas auf seinem Rücksitz liegt und er sieht nach hinten.

"Heilige Berechnungen…" Was macht dieses NumBook dort?

Isósceles greift nach hinten. Es ist ausgeschaltet. Jeder Numerius muss ein so ein elektronisches NumBook bei sich tragen, um darauf täglich Buch über seine Arbeit zu führen. Wer hat es in seinem Flugmobil liegen gelassen? Er schaut es sich genauer an. Es ist ein altes, noch nicht sehr robustes Modell, das aus der Zeit stammt, in der er von seinem Meister, dem Großen Thales von Milet, gerade entsandt worden war und sich noch in der Ausbildung befand. Mehr als zweitausend Jahre ist das mittlerweile her. Es flammt ein Funken Wehmut in ihm auf. Was für Zeiten! Als alles noch langsam ging und man sich gerne untereinander half… Oh Schreck! Nein, nein, bloß nicht! Isósceles reagiert sofort. Und mit einer schnellen Bewegung, als wolle er eine lästige Fliege verscheuchen, ruft das betagte Dreieck sich selbst zur Ordnung. Ein Geometriker meiner Klasse darf sich nicht die nostalgischen Erinnerungen und Schwächen eines phantastischen Wesens erlauben, wirft er sich selbst vor.

Ja Meister Isósceles, sie haben recht. Numeri phantasieren nicht, sie empfinden keine Wehmut und sind im wahrsten Sinne des Wortes phantasielos – ohne Phantasie - weil die Heiligen Gesetze seit der Erschaffung Numerias unumstößlich sind: Ein Arbeiter im Dienste der Heiligen Mathematik hat im Reich der Schande, des Chaos und der Zerstörung nichts verloren.

Isósceles nimmt das NumBook vorsichtig in die Hand. Er ist fest entschlossen, herauszufinden, wer dieses unverzichtbare Arbeitsutensil liegen gelassen hat. Und dazu noch in seinem Flugmobil. Hoffentlich fällt diese Nachlässigkeit nicht auf, bemerkt kein Erschaffer, dass etwas Wichtiges fehlt. Ob wohl eine entscheidende Operation auf diesem NumBook gespeichert ist? Neue mathematische Erkenntnisse? Nicht auszudenken, dass jemand ein so bedeutendes Dokument einfach so liegen lässt. Die Götter haben ein Anrecht darauf, dass die Numeri ihnen aufmerksam und gehorsam dienen. Sie sind verpflichtet, die Götteroperationen sorgsam zu behandeln und detailliert aufzuzeichnen, denn dazu wurden die Numeri und ihre gigantische Welt erschaffen: Um die göttliche Weisheit bis in alle Ewigkeit zu erhalten. Ich werde mich darum kümmern, dass dieser nachlässige Numerius mit Zwangsberechnungen dafür bestraft wird, dass er einfach so sein NumBook verliert, schimpft das alte Dreieck vor sich hin und schaltet das Gerät verärgert ein.

Ein grelles Flackern erleuchtet das Innere des Flugmobils und lässt Isósceles eine Schrei ausstoßen und vor Schreck zurückspringen. Der Lichtschein, den das NumBook ausstrahlt, ist so hell, dass selbst der gelassenste Numerius sich erschrecken würde. Das alte Dreieck schreit erneut, voller Schreck. Ein Numerius hat keine Angst, allerdings nicht etwa, weil er so mutig wäre, sondern weil es nie eine Bedrohung für die Numeri gegeben hat. Isósceles Blick ist wie gefesselt von den Bildern, die das NumBook auswirft und die scheinen, als entsprängen sie einer göttlichen Hölle, die Isósceles zu seinem Glück oder seinem Unglück eines Tages mit eigenen Augen sehen wird. Nach einigen Sekunden schaltet das NumBook sich aus und es ist wieder dunkel im Innenraum des Mobils. Isósceles ist wie gelähmt von seinen Eindrücken. So etwas hat er noch nie gesehen. Nach einem bedrückenden Moment der Stille surrt sein kleiner Interkommunikator und kurz darauf ist eine jetzt schon bekannte Stimme zu hören:

"Und Meister? Verstehen Sie jetzt, worum es geht?"

"Bitte, Sie schulden mir eine Erklärung… all diese Zerstörung… Wie kommt es dazu?", ist alles was das alte Dreieck hervorstammeln kann.

"Ich habe es Ihnen schon gesagt: Das ist die Göttliche Macht, und die basiert auf den Berechnungen aus Numeria".

"Numeria… auf den Berechnungen aus Numeria? Was heißt das?"

"Wir werden benutzt, und wenn wir dieses Desaster nicht aufhalten, wird das Ende für die Götter und für uns sein."

"Wovon reden Sie??", schreit das alte Dreieck, kurz davor die Beherrschung zu verlieren.

"Macht, Meister". Angetrieben von unbekannten Kräften tragen die Erschaffer einen Wettstreit unter sich aus und benutzen ihre wichtigsten Erkenntnisse, um an diese Macht zu kommen. Ruhm und Fortschritt sind nicht mehr genug. Sie wollen mehr. Was früher Weisheit war, hat sich nun in die größte Gefahr verwandelt, die eine Bedrohung für alle darstellt. Und wir, eingeschlossen in unserer Welt, haben dazu beigetragen, ohne es zu wissen. Vielleicht ist jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, um unsere Grenze zu öffnen und endlich unsere eigenen Entscheidungen zu treffen. Und Sie können uns helfen, oder besser gesagt, Sie MÜSSEN uns helfen. Sie haben gar keine andere Möglichkeit."

"Was öffnen? Was für unbekannte Kräfte?"

"Die Dunklen Götter und ihre Gesandten. Wir setzen uns wieder mit Ihnen in Verbindung, Meister. Schweigen Sie jetzt einfach, es wird der Moment kommen, da erfahren Sie mehr. Alles zu seiner Zeit."

"Und wieso wissen Sie über all diese Dinge Bescheid? Warum… warum sollten die Götter etwas so Schreckliches tun? Wen werden sie schicken? Nur Numeri können nach Numeria kommen!"

"Das glauben Sie, Meister. Diese Welt ist nicht so abgeriegelt, wie wir immer geglaubt haben. Es hat eine Weile gedauert, bis wir das verstehen konnten, aber zu guter Letzt mussten wir es einsehen. Das werden auch Sie müssen. Sie werden kommen. Denken Sie über all das nach, denn es wird große Veränderungen geben. Wir rufen Sie wieder an."

"Wer sind Sie?", kreischt Isósceles, nach wie vor im Bann des Schreckens, in den kleinen Apparat.

Aber aus dem Interkommunikator kommt keine Antwort mehr. Und es wird sie noch nicht geben… denn die Idee ist es, Meister Isósceles, dieses alte, biedere und rechtschaffene Dreieck, das Ungereimtheiten schier nicht ertragen kann, in der größten Ungewissheit zu lassen, der ein Numerius seiner Kategorie jemals ausgesetzt war.


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Explosiones nucleares a través de la Historia, por Isao Hashimoto